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- Michael Franz

SBBW 2025: Verband gibt Teststücke bekannt

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An der Delegiertenversammlung vom Samstag, 22. März, gab der Schweizerische Brass Band Verband SBBV die Teststücke für den 50. Schweizerischen Brass Band Wettbewerb SBBW bekannt. Zum Jubiläum wurden in allen Kategorien neue Werke bei renommierten ausländischen Komponisten in Auftrag gegeben.

Am Wochenende vom 29. & 30. November 2025 wird das KKL Luzern noch einmal das Mekka der Schweizer Brass Band-Szene bilden. Zum 50. Jubiläum des Wettbewerbs bestellte der Verband neue Teststücke für alle Kategorien bei namhaften Brass Band-Komponisten. Die Namen waren schon bekannt, doch an der Delegiertenversammlung in Bern wurde nun das Geheimnis gelüftet, welche Kategorie es mit welchem Komponisten zu tun bekommt und wie die Titel der Werke lauten. Tonaufnahmen sind dementsprechend noch keine vorhanden, doch die Titel und die Kompositionsstile der sechs Herren lassen diverse Vorstellungen und Interpretationen erahnen.

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Der Franzose Thierry Deleruyelle ist für das Teststück der 4. Klasse verantwortlich

4. Klasse: Seal of Unity - Thierry Deleruyelle

Der französische Komponist Thierry Deleruyelle hat schon begeisternde Werke für alle Schwierigkeitsgrade geschrieben. Sein neustes Werk Seal of Unity (das Siegel der Einheit) wird die Bands der 4. Klasse herausfordern. Seine zugängliche und mitreissende Musik wird bestimmt die Musikerinnen und Musiker sowie das Publikum gleichermassen begeistern.

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Simon Dobson, Komponist des 3. Klasse-Teststückes

3. Klasse: Thought Gap - Simon Dobson

Die dritte Klasse bekommt es mit einer "Denklücke" vom briten Simon Dobson zu tun. Der Titel Thought Gap lässt einigen Interpretationsspielraum. Geht es um eine Denklück im Sinne von einer falschen Denkweise? Behandelt das Werk Gedanken-Blackouts wie sie in Stresssituationen oder in Folge Krankheiten auftreten können? Hatte er Denklücken während des Kompositionsprozesses? Wir sind sehr gespannt, welche Ideen der innovative und experimentierfreudige Dobson in dieses Werk eingebaut hat und wie diese "Denklücke" zu verstehen ist. Seine Werke glänzten bisher immer mit einem hohen Unterhaltungsfaktor.

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Philip Sparke, ein Meister seines Fachs

2. Klasse: Lucerne Dances - Philip Sparke

Der Titel des Teststücks der zweiten Klasse erinnerte uns sofort an Montreux Wind Dances von Carl Rütti, das Teststück des Europäischen Brass Band Wettbewerbs 2001 in Montreux. Da der SBBW im 2025 voraussichtlich zum letzten Mal in Luzern stattfinden wird, wäre es nur logisch, dass der Wettbewerbsort zum Abschluss noch musikalisch verewigt wird. Philip Sparke ist jedoch nicht Carl Rütti und wir wissen zu diesem Zeitpunkt auch nicht, ob es in Lucerne Dances irgendeine Verbindung oder Hommage dazu gibt.

Wie stellt sich Sparke Luzerner Tänze vor? Hat er die Melodie "Vo Lozärn gegä Weggis zue" eingebaut? Wir werden es im November erfahren, doch das umfangreiche Opus von Sparke lässt sowieso keinen Zweifel daran, dass die Bands der 2. Klasse beste Wettbewerbsliteratur zu spielen bekommen. 

(Wenn wir schon davon sprechen, wäre es wieder einmal an der Zeit, das fantastische aber etwas in Vergessenheit geratene Montreux Wind Dances, gespielt von der Cory Band, auf YouTube anzuhören.)

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Bert Appermont fordert die 1. Klasse - insbesondere die Perkussion

1. Klasse: La Geometria - Bert Appermont

Der Belgier Bert Appermont bekam den Auftrag für das Teststück der ersten Klasse. La Geometria, die Geometrie, klingt im ersten Moment nach öder schematischer Kompositionsweise. Doch Appermont hat in seinem letzten, sehr beliebten Werk A Gabrieli Fantasy bewiesen, dass er stilistisch verschiedene Teile und Gruppen innerhalb der Band zu einem fantastischen ganzen verschmelzen lassen kann. Deswegen haben wir keine Angst, dass er ein einer langweiligen Mathematikaufgabe gleichendes Teststück präsentieren wird, sondern trauen dem gewieften Komponisten eher die musikalische Quadratur des Kreises zu!

Nachdem die Perkussionisten der 1. Klasse-Bands im letztjährigen Teststück wenig gefordert waren (und einzelne sich beim Verband darüber beschwerten), kommen sie im 2025 voll auf ihre Kosten. Appermont setzte in La Geometria einen grossen Fokus auf die Perkussion und gibt ihnen in der Partitur eine bestimmte Aufstellung vor. Diese ist - auch aus logistischen und zeitlichen Gründen - zwingend einzuhalten.

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Ein weiterer Grossmeister gibt sich die Ehre: Philip Wilby

Elite: Arden Forest - Philip Wilby

Die Elite bekommt es nach Red Priest im 2024 erneut mit einem Werk von Philip Wilby zu tun. Bevor die anwesenden Delegierten die Auswahl hinterfragen konnten, präsentierte die Musikkomission des Verbands sofort die schlüssige Erklärung dazu: Wilbys Werk Arden Forest wäre eigentlich für die Höchstklasse geplant gewesen, doch im Vergleich zu Thomas Doss' Werk schien es (auf höchstem Niveau) weniger anspruchsvoll zu sein. Deswegen entschied man kurzerhand, die Teststücke der Elite und der Höchstklasse zu tauschen. Da Red Priest thematisch und zeitlich aus einer anderen Epoche stammt, werden die Elite-Bands nicht das Gefühl haben, "dasselbe in Grün" zu üben.

Der Wald von Arden (Arden Forest) ist eine berühmte literarische Kulisse aus William Shakespeares Komödie "Wie es euch gefällt" (As You Like It). In dem Stück dient der Wald als ein symbolischer Ort der Freiheit, Romantik und Transformation, in dem die Charaktere Zuflucht finden, sich entwickeln und schliesslich ihr Glück finden. Shakespeare wuchs selbst im realen Forest of Arden in Warwickshire, England, auf. Man kann gespannt sein, welche Inspirationsquelle - die fiktive oder reale- Wilby wählte und wie er diese zu Musik verarbeitete.

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Thomas Doss ist ein gefragter Komponist

Höchstklasse: Genetic Code - Thomas Doss

Nachdem Thomas Doss' Künste in zwei Selbstwahlstücken der Höchstklasse 2024 zu hören waren, wurde sein Stück Genetic Code nun als Teststück für diese Kategorie ausgewählt. Der österreichische Komponist hat sich in seinen Werken in der Vergangenheit bereits mehrfach naturwissenschaftlichen, biologischen Themen gewidmet, wie zum Beispiel in den Werken Trance und REM-Scapes. Nun hat er sich den hochkomplexen genetischen Code vorgenommen und musikalisch verarbeitet.

Wikipedia lehrt uns: "Als genetischer Code wird die Weise bezeichnet, mit der die Nukleotidsequenz eines RNA-Einzelstrangs in die Aminosäurensequenz der Polypeptidkette eines Proteins übersetzt wird. In der Zelle geschieht dies, nachdem zuvor die in der Abfolge von Basenpaaren des DNA-Doppelstrangs niedergelegte Erbinformation in die Sequenz des RNA-Einzelstrangs (Boten- oder Messenger-Ribonukleinsäure, mRNA) umgeschrieben wurde."

Na dann ist ja alles klar und wir freuen uns auch in der Höchstklasse auf einen grossartigen Wettbewerb mit einem spannenden Teststück!

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